29-07-2010 oder: Tierwelt strikes back

Die Verfasserin möchte an dieser Stelle ihren geschmacklosen Vorschlag eines Best of der originellsten Tiertode zurückziehen und sich offiziell bei allen Lebewesen, die sich durch diesen Vorstoß gegen die menschlich-tierische Verständigung in Ihrer Tierwürde verletzt gefühlt haben, untertänigst entschuldigen. Eure Botschaft ist angekommen – sehr geschickt eingefädelt!

Einen Tag nach meinem Fauxpas ereignen sich folgende scheinbar zufällig aneinandergereihte Vorkommnisse: Zunächst grinst mich meine Katze von der falschen Seite des Balkongitters aus an und droht mir mit einem irren Blick aus ihren verrückten gelben Augen mit Suizid. Nacktgeleckt wie sie inzwischen ist, traue ich ihr den ohne weiteres zu. Um Ihrer Drohung Nachdruck zu verleihen, spaziert sie auf dem ca. 20 cm breiten Absatz vor dem Balkon in gut 20 Metern Höhe hin und her und vollzieht, da sie des Rückwärtsgehens nicht mächtig ist, auf diesem Raum auch noch eine ungekonnte Pirouette, die sie mit einem Bein zum Absturz in die Regenrinne bringt. Aus dieser rappelt sie sich dann zwar wieder auf den Absatz empor, weigert sich jedoch, durch das inzwischen panisch aufgerissene „Schutznetz“ hindurch wieder auf meine Seite, die Seite der Sicherheit und Lebensbejahung zu klettern. Statt dessen begibt sie sich weiter aufs Schrägdach, das sie, immer wieder in die Lücke unter dem Schneefanggitter rutschend, in Richtung Nachbarbalkon erkundet. Erst von einem Überangebot an Katzensticks, die ich demonstrativ an ihren braven und gefräßigen Bruder auf der guten Seite der „Line“ verfüttere, lässt sie sich ins Leben zurückholen.
Kaum von diesem Schock genesen, rolle ich meiner Mutter, die ihr Auto nur kurz vor dem Haus geparkt hat, schnaufend in Richtung ihres Gefährts hinterher, um mich zur Erholung ins nächstgelegene Frühstückslokal rangieren zu lassen, und erspähe unter ihrem linken Hinterrad ein riesiges aufgeplustertes und offensichtlich verletztes Tier. Ein Babytier. Ein Vogel. Er ist riesig und verletzt. Ich glaube, in meiner behüteten deutschen Überflusswelt gibt wenige verstörendere Anblicke (die durch Fernsehnachrichten vermittelten einmal ausgenommen) als ein kugelrund aufgeflauschtes Babyfedervieh, das dich mit anklagenden Babyaugen anstarrt, während seine eine Seite blutig aufklafft. Und dann sitzt das Ding auch noch genau unter unserem Rad! Einfach zurücksetzen!, weiß man da sofort, ist aber natürlich aufgrund seiner verweichlichten, heulsusigen Städternatur nicht dazu in der Lage. Stattdessen nimmt man einfach das andere Auto und denkt während des gesamten Frühstücks an nichts anderes als daran, was man tun wird, wenn das Ding nachher immer noch da ist.
Man ist so abgelenkt, dass man gar nicht merkt, wie man von einem anderen Vogel angeschissen wird. Voller Verachtung und Anklage, will ich behaupten, ohne ihn zu Gesicht bekommen zu haben. Nur seine Scheiße durfte ich mir dann von Shirt und Tasche waschen.
Zurück beim mütterlichen Auto ist das Plustertier gottseidank verschwunden. Das Leid der Eltern bleibt uns allerdings natürlich nicht erspart! Ein Taubenpaar flattert aufgeregt um das Auto und in der Umgebung herum. Wahrscheinlich konnten sie ihrem aufgepolsterten Erstgeborenen nur noch wortlos hinterhersehen, wie es sie aus dem Maul eines Kreuzberger Barrio-Pitbulls heraus flehend anstarrte und schließlich um die Getränkehoffmann-Ecke verschwand…
Ich bin ein perverses Schwein und ein für allemal bekehrt: Tiertode sind eindeutig kein Thema für einen Blog!

Zusatz vom 30.07.:

War die Entschuldigung nicht deutlich genug? Habe ich etwa zu viel Ironie durchklingen lassen, die missverstanden worden sein konnte? Oder wie kam es, dass sich dieses undefinierbare, unendlich hohe, Fingernägeln an der Tafel gleichende Quieken gestern Nacht auf meinem Balkon als die Hilferufe einer Fledermaus entpuppen musste, die vom vereinigten Katzenterrorkommando vom Himmel geholt wurde? Eine Fledermaus! Musste das sein?

crazy cat


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